Ein steiniger Weg

Stolperstein Unternehmenskultur: Wieso der Weg zur Digitalisierung für viele Firmen so holprig ist

Eine aktuelle Studie hat ergeben: Häufig ist es ausgerechnet die eigene Unternehmenskultur, die der Digitalisierung im Wege steht. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig der Kulturwandel ist: Wer erfolgreich aus der Transformation hervorgehen will, muss die Digitalisierung in die Firmen-DNA aufnehmen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei.

Die renommierte Unternehmensberatung Capgemini hat weltweit 1.700 Mitarbeiter aus 340 Unternehmen befragt, wie es um die Digitalisierung in ihren Firmen steht. Das Ergebnis sollte Unternehmenslenker nachdenklich stimmen: 62 % der Befragten sehen das größte Hindernis für einen umfassenden Wandel in der eigenen Unternehmenskultur. Besonders erschreckend ist, dass sich diese Einschätzung seit der letzten Studie aus dem Jahr 2011 sogar um satte sieben Prozentpunkte verschlechtert hat. Dabei ist auch für die Auftraggeber der Studie klar: Die Einführung einer digitalen Unternehmenskultur ist ein Mammutprojekt, das durchaus mehrere Jahre beanspruchen kann. Ein schwieriger Weg also. Aber einer, der notwendig ist.

Trotz der insgesamt eher ernüchternden Ergebnisse können sich 34 % der untersuchten Unternehmen über das Prädikat „Vorreiter“ freuen. Die vor allem in Großbritannien, Schweden und den USA ansässigen Unternehmen haben in allen relevanten Bereichen positive Ergebnisse erzielt: Die Innovationskraft des Unternehmens, die Agilität und Flexibilität, datengetriebene Arbeitsansätze sowie Kooperationen über Abteilungsgrenzen hinaus wurden dabei genauer betrachtet.

Wir haben die erhobenen Daten genauer analysiert und daraus einige Tipps abgeleitet, die Ihnen und Ihrer Organisation dabei helfen, ein erfolgreiches Change Management zu implementieren.

Ganz oder gar nicht: Digitalisierung als ganzheitliches Konzept verstehen.

Die erste, grundsätzliche Herausforderung für jedes Unternehmen besteht darin, ein kulturelles Verständnis von der digitalen Transformation zu entwickeln. Konkret: Management und Mitarbeiter müssen verstehen, dass Digitalisierung viel mehr ist als nur die Einführung neuer Technologien oder die Übertragung lokaler Dateien in eine Cloud. Digitale Transformation heißt auch: Transformation in den Köpfen. Es geht um eine digitale Strategie, die auf allen Ebenen verstanden und gelebt wird. Dabei gilt: Themen wie Big Data und Industrie 4.0 sind heutzutage für die Zukunft aller Unternehmen relevant, unabhängig davon, ob sie Schraubenzieher herstellen oder Fachpersonal vermitteln. Ein Blick auf die Start-up-Szene zeigt: In nahezu jeder Branche tauchen tagtäglich neue digitale Player auf, die den Markt aufmischen. So erlebte zuletzt die Finanzbrache ein ordentliches Beben, als immer mehr FinTech-Unternehmen auf den Markt drängten. Deren Angebot: Full-Service-Vermögensverwaltung, für die man nicht einmal den Schreibtisch verlassen muss – alles auf einer Online-Plattform, durch smarte Algorithmen gesteuert. Diese Dienstleistungen wurden bis dato eher von traditionellen Banken angeboten, die von der neuen Konkurrenz sichtlich überrascht wurden.

Der beste Indikator für Ihren Fortschritt: Die Meinung Ihres Teams.

Die Studie hat an vielen Stellen enorme Wahrnehmungsdifferenzen in den eigenen Reihen aufgezeigt: Während 40 % des Top-Managements behaupten, in der eigenen Organisation sei eine digitale Unternehmenskultur bereits vorhanden, bestätigten dies nur 27 % der restlichen Mitarbeiter. Unterschätzen Sie also Ihre Teams nicht: Sie befassen sich, genau wie Ihre Kunden, mit Themen rund um die Digitalisierung und können daher durchaus einschätzen, wie stark die Transformation vorangeschritten ist. Wenn Sie eine entsprechende Strategie etabliert haben, wird Ihre Belegschaft das also auch merken. Bis dahin hilft der Austausch mit den Kollegen – Flurfunk und Fragebögen verraten Ihnen, ob Ihr Personal den Fortschritt wahrnimmt. Manche Unternehmen machen von der Meinung der Mitarbeiter sogar ganze Vorstandsposten abhängig: Bei der Schweizer IT-Firma Umantis wird die CEO-Position nicht einfach vergeben, sie wird von der Belegschaft durch demokratische Wahlen besetzt. (Siehe auch „Vom Boss zum Coach“)

Jeder redet von Innovation – aber wo wird sie gelebt?

Mal ehrlich: Heutzutage gibt es kaum ein Unternehmen, das sich nicht als innovativ bezeichnet. Die Studie zeigt jedoch eine andere Wahrheit: Nur 37 % der befragten Mitarbeiter erkennen eine Innovationskultur in der eigenen Organisation. Das ist bedenklich – schließlich ist Innovation keineswegs ein beliebiges Trendwort, sondern eine Voraussetzung, um in der Business-Welt von morgen zu bestehen. Schaffen Sie daher Raum für neue und ungewöhnliche Projekte. Konkreter noch, erzeugen Sie eine Kultur, die nicht nur unmittelbare Erfolge, sondern auch Experimente zulässt. Denn jeder Weg zum „Next Big Thing“ wird durch Fehltritte geebnet, also durch gescheiterte Teilprojekte. Das prominenteste Beispiel dafür ist Google: Ein ganzes Unternehmen der Alphabet Inc. Holding arbeitet tagtäglich an der Entwicklung beeindruckender Großprojekte, die sie selbst als „Moon Shots“ bezeichnen. Hier wurde beispielsweise die „Google Glass“-Brille entwickelt – ein Projekt, dessen Entwicklung unzählige Dollars gekostet hat und das schließlich doch als Flop deklariert und eingestellt wurde.

Die Unternehmenskultur steht der Digitalisierung im Weg? #jobwizards zeigt, wie die digitale Transformation auch in den Köpfen der Belegschaft funktioniert: http://bit.ly/2IvRZy6

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Grenzenlose Möglichkeiten erfordern grenzenlose Abteilungen.

Es wird eine Zeit kommen, in der wir kopfschüttelnd an die Vergangenheit des Bürolebens zurückdenken. An eine Zeit, in der jede Abteilung ein eigenes Büro hatte. Mit Türen, die eine scheinbar fremde Welt beschützten, die man nur selten und vorsichtig betrat. Nein, heute ist klar: Kein Unternehmen kann es sich erlauben, auf Synergien zu verzichten, die durch Kooperationen über Team- und Abteilungsgrenzen hinaus entstehen. Auch hier zeigt die Studie allerdings noch deutliche Defizite auf: Nur 41 % der befragten Mitarbeiter erkennen eine Kultur der Zusammenarbeit in ihrem Unternehmen. Viele fühlen sich eher isoliert als integriert. Hier gilt es, Räume für Interaktion und Kooperation zu schaffen – und zwar nicht nur sinngemäß, sondern auch wortwörtlich, denn: Die Gestaltung des Arbeitsplatzes spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Zusammenarbeit. Offene Büros, mobile Arbeitsplätze und Kreativzonen sind die richtige Richtung, in die bereits viele Unternehmen gehen. Einige Firmen überlassen die Wahl des Arbeitsplatzes inzwischen vollständig ihren Mitarbeitern: Ob an der Kaffeebar, im Lounge-Bereich oder auf der Dachterrasse gearbeitet wird, spielt keine Rolle, solange die Ergebnisse stimmen.

Belohnung lohnt sich!

Unser letzter Tipp entstammt den Grundlagen der Psychologie: Belohnen Sie gewünschtes Verhalten! Wenn Sie wollen, dass Ihre Mitarbeiter die Zukunft Ihres Unternehmens mitgestalten, sorgen Sie einfach dafür, dass sie es ganz von alleine tun. Indem Sie entsprechende Zielvereinbarungen treffen und Digitalisierungsaspekte in Ihre Bonus- und Incentive-Systeme aufnehmen, schaffen Sie klare Anreize für Ihre Mitarbeiter. Ein positiver Nebeneffekt: Sie unterstreichen auf eine sichtbare Art und Weise, dass Sie es ernst meinen – Ihre Teams spüren, dass sie in einem fortschrittlichen Unternehmen mit klaren Visionen arbeiten.

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