Ein Mann benutzt seine Smart Watch

So wird das Internet der Dinge zum Internet der Chancen

IoT – das Internet der Dinge – findet sich in unseren Haushalten, optimiert Produktions- und Logistikprozesse (Industrie 4.0), verändert die Mechanismen im Gesundheitswesen (Smart Health) und hat Einfluss auf Mobilitätsangebote (Smart Mobility).

Wenn es ein Thema gibt, das bei der Diskussion von Digitalthemen den derzeit wohl höchsten Stellenwert einnimmt, ist es das Internet der Dinge. So begeistert die einen über die neuen Vernetzungsmöglichkeiten sind, so sehr misstrauen die anderen dem Mehrwert, den diese Technologie bietet. Einigkeit aber herrscht darüber, dass die Bedeutung des Internets der Dinge in Zukunft zunehmen wird. Das Netzwerk von Geräten, der Dinge, die miteinander oder mit den Nutzern verbunden sind und Daten austauschen, wird wachsen. Prognosen sprechen davon, dass schon in zwei Jahren weltweit bis zu 25 Milliarden miteinander vernetzte Geräte operieren werden. Die Industrie 4.0 als Oberbegriff wird intelligente Produkte entstehen lassen, die in sich selbst steuernden Produktionsprozessen hergestellt werden. Schon jetzt hat zum Beispiel thyssenkrupp Elevator mit MAX eine cloudgestützte Wartungslösung entwickelt, die vorausschauenden Service ermöglicht und die Zuverlässigkeit und Effizienz von Aufzügen erhöht. Die maschinell lernende Lösung kann die Ausfallzeiten von Aufzügen durch Echtzeitdiagnostik deutlich verringern. MAX erkennt Wartungsprobleme, bevor diese auftreten. Servicetechniker werden rechtzeitig benachrichtigt, um veraltete Komponenten und Systeme auszutauschen.

Internet der Dinge: drei Wörter, aber unendlich viele Chancen für KMU #jobwizards http://bit.ly/2rvJcVk

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Welche Chancen das IoT (Internet of Things) mit sich bringt

Wozu aber ergeben sich nun Chancen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), mit dem Internet der Dinge die Digitalisierung nutzenbringend voranzutreiben?

Um Produktionssteigerungen zu erzielen: Produktionsprozesse lassen sich beispielsweise effizienter durchführen, wenn Mitarbeiter in der Herstellung mit Datenbrillen oder mobilen Geräten ausgestattet werden, um die Fehlerquote zu reduzieren. Statt umständlich und langwierig in Bedienungsanleitungen für Geräte und Maschinen nachzuschlagen, liefert eine Datenbrille, die der Mitarbeiter trägt, die gewünschte Information quasi auf einen Blick.

Um Kundenerwartungen zu erfüllen: Das Internet der Dinge macht es möglich, die eigenen Servicestrategien den gesteigerten Kundenerwartungen anzupassen. Mit einem transformierten Servicemodell lässt sich die Vernetzung von Service, Wartung und Instandhaltung im After Sales verstärken und die Kundenbindung deutlich erhöhen. Xylem, ein US-amerikanisches Unternehmen, das Anlagen zur Wasseraufbereitung und analytische Geräte herstellt, entwickelte eine systemische Lösung, die Kundenservice und Kundenansprüche verbindet. Abwasserpumpen werden mit einem Meldesystem versehen, das auftauchende Unregelmäßigkeiten sofort an den Kundendienst übermittelt. Die strategische Entwicklung dieser Product-as-a-Service-Lösung begann das Unternehmen mit der Fragestellung, wie die Kunden vom Internet der Dinge profitieren können.
Das Konzept ist nicht neu. Bereits im Jahre 1962 entwickelte Rolls-Royce das Power-by-the-Hour-Konzept für seine Flugzeugturbinen. Dabei werden Flugzeugherstellern zu einzelnen Triebwerken die geflogenen Betriebsstunden berechnet. Die Turbinen bleiben im Besitz des Unternehmens Rolls-Royce, das die Turbinen auch instand hält und wartet. Erlöse werden durch die Verrechnung von Flugstunden erzielt.

Um sich vom Wettbewerb zu differenzieren: Die Vernetzung von Geräten und Produkten bietet die Möglichkeit, das herkömmliche, produktorientierte Ertragsmodell umzustellen. Ein neues Modell, das durch die Kombination von Produkten und Services Ergebnisse liefert, schafft eine deutliche Abgrenzung zur Konkurrenz und neue Umsatzchancen. Caterpillar, Hersteller von Baumaschinen, hat eine Plattform geschaffen, die Servicedokumentationen und Echtzeitsensordaten zu Augmented-Reality-Erlebnissen verbindet und den Außendiensttechnikern kontextbezogene Anweisungen liefert.

Um bessere Verkaufsargumente zu finden: Mit den gesammelten Echtzeitleistungsdaten lassen sich die Verkaufsargumente für ein bestimmtes Produkt besser belegen. Auch lassen sich auf Basis der Daten neue Ideen für das Bewerben eines bestimmten Produktes finden.

Um Kundenkommunikation zu personalisieren: Die Auswertung der Daten, die durch das Internet der Dinge generiert werden, ermöglicht es, zur richtigen Zeit die richtigen Informationen zu nutzen, um Kunden maßgeschneiderte Angebote zu machen – sei es zum richtigen Zeitpunkt oder mit einem konkreten Angebot.

Um neue Strategien zu entwickeln: Zu den wichtigsten Eigenschaften eines IoT-Gerätes gehört seine Fähigkeit, Daten über smarte Sensoren zu erfassen und über das Internet zu übermitteln. Zukünftige Erfolge werden davon abhängen, wie Branchen und Unternehmen mit den von IoT-Objekten gesammelten Informationen umgehen. Jedes Unternehmen wird seine Strategie und Entscheidungen auf Daten stützen, um beispielsweise die Verantwortlichen für Versorgungsketten über aufgetretene Sicherheitslücken oder ineffiziente Prozesse in der Versorgungskette zu informieren. Dank detaillierter Ergebnisse können Unternehmen tiefere Einblicke in ihre Prozesse und Produkte erhalten als je zuvor.

Welche Kompetenzen nötig sind

Zusammenarbeit einzelner Abteilungen: Das Internet der Dinge führt dazu, dass Marketing-Abteilungen eine zentrale Rolle bei der Pflege der Kundenbeziehungen einnehmen. Die Verantwortlichen lesen in den ermittelten Daten, ob Kunden auf die aktuelle Kommunikationskampagne ansprechen; eventuelle Justierungen der Kundenansprache können schnell umgesetzt werden. Durch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im Unternehmen können Kräfte gebündelt werden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Damit wird die Beziehung zwischen dem Marketing, der IT, dem Service und dem Vertrieb gestärkt.

Umsatzchancen durch das Internet der Dinge.

IOT hält immer mehr Möglichkeiten bereit.

Datenkompetenz: Um die Vielzahl der durch das Internet der Dinge gelieferten Daten schnell (möglichst in Echtzeit) auszuwerten, braucht es das Vorhandensein technischer Voraussetzungen. Um z. B. Messgeräte, die sich an weit voneinander entfernten und schwer zugänglichen Standorten befinden, miteinander zu vernetzen, sind allerdings keine besonderen Hardware-Investitionen nötig. Pro Standort kommt ein einfacher Raspberry Pi für etwa 40 Euro zum Einsatz, an dem auch mehrere Messgeräte angeschlossen werden können. Alle anderen Rechen- und Speicherressourcen liegen in der Cloud. Es braucht aber auch das richtige Mitarbeiter-Know-how, das eher in neuen Berufsbildern, wie dem Data Scientist, vorhanden ist.

Fokus auf IT-Sicherheit: Funktionale und erfolgversprechende Lösungen für die Nutzung des Internets der Dinge brauchen umfassende Sicherheitslösungen. Werden diese nicht im Unternehmen vorgehalten, empfiehlt sich die Suche nach einem kompetenten Partner. Denn die Zunahme von Zugangspunkten in das Netzwerk einer Organisation sowie ein in Teilen noch vorhandener Mangel an Sicherheitsstandards für IoT-Geräte bedeutet, dass es im Umfeld von Unternehmen, die diese Geräte installiert haben, Sicherheitslücken gibt. Gerätehersteller setzen häufig ein und dasselbe Initialpasswort für den Zugang ins Internet als leicht zu entschlüsselnde Standardeinstellung fest und öffnen dadurch möglichen Hacker-Angriffen Tür und Tor.

Mögliche Partnerschaften: Industrie 4.0 und das Internet der Dinge brauchen Know-how, das nicht in jedem Unternehmen vorhanden ist. Im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie ist es deshalb sinnvoll, nach Partnern Ausschau zu halten, die zum Beispiel den Wissenstransfer handhaben.

Unternehmerischer Mut: So groß die Begeisterung für die im eigenen Unternehmen geschaffene Innovation auch ist, so unsicher ist es, ob Kunden sich davon schnell begeistern lassen. Daher ist es sinnvoll, neue Strategien im Trial-and-Error-Verfahren zu erproben und dabei Nutzer und Kunden schon vom Start an zu involvieren. Zwar gibt es in jeder Branche individuelle Herausforderungen, wie die Digitalisierung am besten umgesetzt werden kann, den größten Vorteil aber können alle nutzen: Die Datenerfassung und ihre Analyse in Echtzeit. Denn daraus entstehen Services, die es ohne das Internet der Dinge nie gegeben hätte.

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