Zwei Hände jonglieren mit bunten Kugeln

Selbstmanagement: So klappt’s mit der Work-Life-Integration

Die gute alte Work-Life-Balance wird den komplexen Anforderungen an Führungskräfte nicht mehr gerecht. Neue geschäftliche und private Aufgaben fordern Unternehmern heute mehr Selbstmanagement ab. Für eine gelungene Work-Life-Integration bieten sich fünf zentrale Wirkkreise an.

Nicht nur im Management von Unternehmen ist Zeit ein knappes Gut, auch ein erfülltes Privatleben braucht Zeit und Aufmerksamkeit. So ist die Vereinbarung von Arbeits- und Privatleben für Führungskräfte heute eine der größten Herausforderungen, denn beide Bereiche vermischen sich aufgrund der Digitalisierung und ständigen Erreichbarkeit immer mehr, eine strenge Trennung scheint unmöglich. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer suchen nach neuen Lösungen, um die steigenden Belastungen durch geschäftliche und berufliche Anforderungen auszugleichen.

Die Lösung des Problems: Selbstmanagement für eine gelungene Work-Life-Integration

Ein schlüssiges Konzept für die Lösung des Problems liefern die Idee des Selbstmanagements und die neue Vorstellung von einer Work-Life-Integration. Selbstmanagement meint das Ausüben von Leitungsfunktionen in Bezug auf die eigene Person mit dem Ziel der Persönlichkeitsstärkung durch ein kluges Management des eigenen Selbst. Wichtig für ein gutes Selbstmanagement im Arbeitsalltag ist so viel Selbstorganisation, Selbstbestimmung und Selbststeuerung wie möglich. Work-Life-Integration meint ein flexibles und lebendiges Miteinander verschiedener Lebens- und Arbeitsbereiche. Mit anderen Worten: Selbstmanagement für eine gelungene Work-Life-Integration umfasst viel mehr als die Sorge um zwei streng voneinander getrennte Bereiche – Arbeit und Privatleben. Die Vorstellung der Work-Life-Balance geht davon aus, dass es möglich sei, beide Lebensbereiche harmonisch mit- bzw. gegeneinander auszubalancieren. Doch immer häufiger stellt sich im Arbeitsalltag heraus, dass es schwer bis unmöglich ist, eine Balance von Arbeit und Privatleben zu erreichen.

Grafik mit den europäischen Ländern sortiert nach dem Work Live Balance Ranking

Goodbye Work-Life-Balance! Die meist Fiktion bleibende Idee eines Gleichgewichts von Arbeit und Privatleben weicht der neuen Vorstellung einer gelungenen Work-Life-Integration. Mehr Selbstmanagement beim Jonglieren innerhalb der modernen Lebensbereiche ist gefragt, dabei stehen fünf neue Wirkkreise im Mittelpunkt.

Zeitmanagement: Work-Life-Balance ist eine Idee, die zunehmend frustriert

Gerade Führungskräfte von KMUs sind heutzutage beruflich wie privat mit vielen Herausforderungen und Rollen konfrontiert, Zeitmanagement ist im Arbeitsalltag ein ständig wiederkehrendes Thema. Am Arbeitsplatz wird in der Regel höchste Arbeitszeit- und Einsatzbereitschaft erwartet, dazu kommen enormer Zeitdruck und To-do-Listen, die einfach nicht kürzer werden. Ihre knappe Freizeit brauchen die meisten, um sich von den Belastungen des Jobs zu erholen, was in der Familie oder im Freundeskreis nicht immer auf Verständnis stößt. Im wirklichen Leben scheint der Wunsch nach einem harmonischen und ausbalancierten Miteinander von Berufs- und Privatleben vielen Frauen und Männern nahezu unmöglich. Eine Situation, die sich durch Zeitmanagement allein nicht lösen lässt und auf Dauer frustriert.

Work-Life-Integration: Fünf Wirkkreise für eine gute Selbstorganisation

Das neue Konzept der Work-Life-Integration ist dagegen deutlich flexibler. Work-Life-Integration setzt auf einen lebendigen Austausch und das Miteinander verschiedener Lebens- und Arbeitsbereiche. Worauf Führungskräfte für eine gelungene Work-Life-Integration besonders schauen sollten, zeigen folgende fünf Kreise, die jeweils Überschneidungen miteinander haben.

Wirkkreis 1 – Unternehmen/Arbeit/Karriere    

In diesem Bereich geht es darum, das Unternehmen zu managen und sich um die eigene Karriere zu kümmern. Wichtig ist aber auch, die Aufgaben, die man als Führungskraft wahrnimmt sowie die damit einhergehenden Belastungen zu erkennen, zu reflektieren und die Belastungen selbstbestimmt zu reduzieren, bevor sie die eigene Gesundheit und/oder das psychische Wohlbefinden bedrohen. Die Themen Zeitmanagement, Zeitplanung und Workflow gehören ebenfalls in diesen Bereich – konkrete Tipps, Methoden des effektiven Arbeitens und viele Anregungen dazu finden Interessierte im Artikel „Work Clean – Arbeiten wie ein Sternekoch“.

Wirkkreis 2 – Privatleben/Partner/Familie

Ob Führungskraft oder Privatmensch: Heute ist jeder rund um die Uhr und fast an jedem Ort erreichbar. Deshalb ist eine strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben praktisch undenkbar. Immer wieder kommt es zu Überschneidungen, schnell werden am Abend noch mal die letzten Mails gecheckt, vielleicht sogar beantwortet oder wichtige Informationen online eingeholt. Wichtig im Sinne eines klugen Selbstmanagements ist hier, darauf zu achten, dass die Benefits der neuen Flexibilität nicht nur einseitig dem Arbeitsleben zugutekommen, sondern auch das Privatleben sowie die anderen Aktionsbereiche davon profitieren.

Wirkkreis 3 – Netzwerken/Gemeinschaft

Ob Social Media, Branchen- oder Verbandsarbeit: Gut vernetzt und Teil einer Community zu sein, ist eine der neuen Herausforderungen, denen Führungskräfte heute gegenüberstehen. Aktuelles Wissen, Erfahrungsaustausch und gegenseitige Inspiration sind angesagt und helfen dabei, fachlich auf dem Laufenden zu bleiben. Davon zeugt auch der neue Corporate Trend Microlearning: Her mit den digitalen Wissenshäppchen. Wichtig ist, beim Selbstmanagement zu berücksichtigen, dass auch diese Aktivitäten Zeit, Raum und Energie benötigen. Die investierte Zeit zahlt sich aus: Selbst Kontakte in vergleichsweise losen Netzwerken können zum Beispiel zu neuen und interessanten Aufträgen oder Jobangeboten führen. Netzwerken kann aber auch guten Rückhalt bieten und eine interessante und inspirierende Quelle für neue Ideen und Verhaltensmöglichkeiten sein.

Wirkkreis 4 – Gesundheit/körperliches Wohlbefinden

Die Digitalisierung nimmt zunehmend Einfluss auf unsere Gesundheit und unser körperliches Wohlbefinden. Von zentraler Bedeutung ist hier ausreichender Schlaf – sechs Stunden sollten es mindestens sein. Vielleicht beobachten Sie einmal selbst, wie oft Sie gähnen? Häufiges Gähnen kann nämlich tatsächlich ein Hinweis auf Schlafmangel sein. Auch ein gesunder und entspannender Ausgleich zur Arbeit, zum Beispiel durch ein Hobby, Bewegung oder Sport, ist wichtig – gerade und vor allem in stressigen Projektphasen. Verschiedene Apps können ein gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen, aber in puncto Selbstmanagement kommt es auch hier vor allem darauf an, selbst zum eigenen und verantwortungsbewussten Gesundheitsmanager zu werden und diese Aufgabe nicht der Partnerin/dem Partner bzw. der Familie zu überlassen.

Wirkkreis 5 – Persönliche Entwicklung/psychisches Wohlbefinden

Psychisches Wohlbefinden, die Stimmung am Arbeitsplatz, Erfolg und Effizienz hängen zusammen und in Zeiten von innovativen Wearables und künstlicher Intelligenz werden auch diese Parameter zunehmend wichtig genommen – schon gibt es erste Ideen für ein Stimmungsbarometer am Handgelenk, das zum Beispiel den Stresspegel in Meetings messen könnte. Als Führungskraft –vor allem, wenn man nicht im Vorstandsteam arbeitet, sondern allein ein Unternehmen lenkt – ist es besonders wichtig, auf das eigene psychische Wohlbefinden zu achten. Neben dem Vermeiden von Stress und Überarbeitung kann auch das Gegenteil davon zur Herausforderung werden: nämlich darauf zu achten, als Führungskraft nicht in der Routine der eigenen Aufgaben zu erstarren, sondern sich selbst die Zeit und die Aufmerksamkeit zu gönnen, die es braucht, um sich persönlich wie fachlich weiterzuentwickeln und als Persönlichkeit zu wachsen. Ein Coaching oder Fortbildungen für Führungskräfte, zum Beispiel zum Thema Feedback oder Selbstmanagement, können wertvolle neue Anregungen liefern und wichtiger Baustein einer gelungenen Work-Life-Integration sein.

Work-Life-Balance war gestern. Das neue Ziel heißt: Selbstmanagement für eine gelungene Work-Life-Integration. #jobwizards http://bit.ly/2Kv4DOc

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Interessante Frage: Wie viel Zeit verbringe ich in welchem Wirkkreis?

Abschließend bieten sich für eine erste Begegnung mit dem Thema Work-Life-Integration folgende möglichen Fragen an:

  • Wie viel Zeit verbringe ich in welchem Wirkkreis?
  • Wie zufrieden bin ich damit jeweils?
  • Wie selbstbestimmt kann ich in welchem Wirkkreis agieren?
  • Welche Ziele möchte ich mir in welchem Bereich setzen?
  • Wie und in welchen Abständen evaluiere ich den Weg dorthin?
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