Remote Work im Ferienhaus

Remote Work: die neue Flexibilität und was wir dafür aufgeben müssen

Ortsunabhängiges Arbeiten liegt im Trend – nicht nur bei Angestellten, sondern auch bei vielen Unternehmen. Denn: Wo für den Einzelnen neue Freiheiten entstehen, bieten sich für Firmen ganz neue Recruiting-Möglichkeiten. Doch das Modell hat nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen. Eine Analyse.

Der Skype-Call beginnt in wenigen Minuten. Paul ist schon eingeloggt. Er hat seinen Laptop auf der Veranda seines Ferienhauses am Meer aufgestellt – hier programmiert er die neue Firmen-Website. Jennifer wählt sich gerade aus dem Coworking Space in New York ein. Fünf Zeitzonen weiter, kein Problem. Das Arbeitsmodell dahinter: Remote Work – arbeiten von überall aus. Wo einst klar war, dass Arbeitnehmer einen festen Schreibtisch im Unternehmenssitz haben, gilt heute mehr und mehr: Das Ergebnis muss stimmen – wo es zustande kommt, spielt keine Rolle.

Volle Freiheiten. Volle Absicherung.

Für einige Freelancer gehören diese Freiheiten längst zur Tagesordnung – allerdings immer verbunden mit einem gewissen Preis, denn: Wo keine Anwesenheitspflicht besteht, fehlt häufig eine Absicherung. Zwischen den Projekten gibt es unbezahlte Akquise-Phasen und eine Garantie für Folgebeschäftigungen nur selten. Das Remote-Work-Modell verspricht jedoch nun auch Angestellten ein freizügiges und selbstbestimmtes Arbeiten. Diese können dabei trotzdem weiterhin von allen Vorteilen eines festen Arbeitsvertrags profitieren. Möglich wird das vor allem durch die rasante technische Entwicklung: Breitband-Verbindungen, leistungsfähige Laptops, Tablets und Smartphones sowie spezielle Software für Web-Konferenzen und sichere Datenübertragung sind heute selbstverständlich.

Während der Weltreise zur Gehaltserhöhung

Die Vorteile für Mitarbeiter liegen auf der Hand: Warum Urlaub nehmen, um endlich mal nach Asien zu reisen? Solange das Hotel eine stabile Internetverbindung hat, lässt sich die Datenbank auch vom Pool aus aktualisieren. Kunden-Mails können am Strand beantwortet werden und die Abstimmung mit den Kollegen lässt sich problemlos über Skype durchführen. Aber auch deutlich pragmatischere Gründe können dazu führen, dass einzelne Kollegen remote arbeiten möchten – man denke beispielsweise an pflegebedürftige Angehörige oder Beziehungspartner, die im Ausland leben. Die Motivationen können also vielfältig sein. Klar ist: Angestellte versprechen sich einige Vorteile von dem Plus an Flexibilität und Freiheit. Wissenschaftliche Studien hierzu stehen zwar noch aus, doch zeigen zumindest Umfragen, dass die betreffenden Erwartungen meist erfüllt werden: So hat eine Befragung von 1.400 Nutzern des Portals „Flexjobs.com“ ergeben, dass die Flexibilisierung des Arbeitslebens bei der Mehrheit zu mehr persönlicher Zufriedenheit und sogar zu einer Steigerung des Gesundheitsgefühls geführt hat.

Boston oder Berlin? Wie Unternehmen mit Standort-Nachteil profitieren

Die öffentliche Debatte über die Flexibilisierung des Arbeitslebens hat sich lange genau um diesen Aspekt gedreht: die Vorteile für Mitarbeiter. Inzwischen erkennen jedoch auch immer mehr Unternehmen die Vorzüge von Remote Work – und die sind durchaus beachtlich. Klar: Für viele Unternehmer steht die Frage im Vordergrund, ob sich die Entwicklung auch finanziell auszahlt. Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Stellen Sie sich einfach vor, die Hälfte Ihrer Mitarbeiter benötigte keinen Platz mehr im Büro. Sie würden ganz unmittelbar an sämtlichen Kosten für Ihre Office-Infrastruktur sparen. Doch für viele Firmen dürfte ein ganz anderer Faktor entscheidend sein: die Reduzierung eines bisherigen Standort-Nachteils. Insbesondere mittelständische Betriebe, die außerhalb der urbanen Ballungszentren angesiedelt sind, beklagen immer häufiger einen Fachkräftemangel und rückläufige Bewerberzahlen. Remote Work wirkt hier nahezu wie ein Recruiting-Wunder: Wenn der Jobwechsel ohne Ortswechsel von Berlin nach Boston möglich ist, werden auch KMU wieder attraktiver für Fachkräfte.

Kaffeeklatsch vor der Laptop-Kamera: die Schwächen des Modells

Die Gründe für eine Ausweitung der ortsunabhängigen Arbeit liegen also auf der Hand. Allerdings ist die Auflösung des klassischen Bürolebens nicht nur mit Vorteilen verbunden, denn mit dem festen Arbeitsplatz verschwindet eben auch der feste Sitznachbar, der feste Lunch-Partner und manchmal auch der feste Eheberater. Zudem sieht sich nicht jeder Mensch als extrovertierter Weltenbummler, der an jedem Ort der Welt innerhalb von Minuten neue Freunde findet. Im Gegenteil: Viele Menschen schätzen den Arbeitsplatz als einen Ort der gewohnten, sicheren Umgebung, an dem sie auf ihnen bekannte Menschen treffen. An diesem Punkt zeigt sich, dass das Arbeitsmodell des Remote Workings nicht für jeden Arbeitnehmer bedingungslos geeignet ist. Und auch Unternehmer sehen sich durch den Wandel mit so manchem Problem konfrontiert. Beispielsweise wird es insbesondere für Führungskräfte schwieriger, die eigenen Mitarbeiter einzuschätzen und schließlich auch zu bewerten. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie stark sich Mitarbeiter an ein Unternehmen gebunden fühlen, wenn sie die Kollegen nur von Chat-Konferenzen und das Headquarter nur von Fotos kennen.

Klar ist jedoch: Die Flexibilisierung des Arbeitsplatzes bringt jede Menge Vorteile mit sich – auf beiden Seiten. Insbesondere Unternehmen, die sich an weniger attraktiven Standorten niedergelassen haben, können hiervon profitieren. Gleichzeitig darf der soziale Faktor nicht aus dem Blick geraten. Mitarbeiter müssen weiterhin einbezogen und an das Unternehmen gebunden werden, andernfalls wird der Arbeitgeber schnell austauschbar und eine hohe Fluktuation unvermeidbar.

Remote Work: die neue Flexibilität und was wir dafür aufgeben müssen. Eine Analyse. #jobwizards http://bit.ly/2zLLAOo

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