New Work – der Praxistest (Teil I)

Wie funktioniert die Umsetzung von Lean Management und Agile Management bei der Arbeit für andere und im eigenen Alltag? Die Lean Consultancy Group in den Niederlanden ist dezentral organisiert und arbeitet mit flachen Hierarchien. Ihr Ziel ist es, anderen Firmen dabei zu helfen, mehr Lebensfreude im Arbeitsalltag zu entwickeln. Und wie funktioniert das in der Realität? Wir haben nachgefragt.

Portrait

Leonie Mul-van Lith
Leonie Mul-van Lith arbeitet als Lean Consultant und Trainerin bei der Lean Consultancy Group (LCG), die 2018 zum vierten Mal in Folge von Great Place to Work® als bester Arbeitgeber der Niederlande ausgezeichnet wurde. Aufgrund des Wachstums hat sie dieses Jahr zum ersten Mal in der Kategorie „Mittelgroße Unternehmen“ teilgenommen und auch hier den ersten Platz belegt. Die LCG hat zum Ziel Organisationen und Firmen mit der Lean- und Agile-Philosophie bei der Verbesserung ihrer Leistungen zu helfen, und dadurch deren Mitarbeiter zu inspirieren und zu mehr Lebensfreude zu bringen. Der einfache und wirkungsvolle Gedanke: Inspirierte Mitarbeiter führen zu besseren Geschäftsergebnissen. Anderen dabei helfen kann man aber nur, wenn auch im eigenen Hause Zufriedenheit herrscht. Deshalb ist für LCG ein wichtiges Motto: „Handle selbst nach dem, was du predigst.“ Aber lassen wir Leonie Mul-van Lith nun selbst zu Wort kommen:

Blonde Frau in grünem Shirt schreibt etwas

Aus welchem Grund hat LCG die Auszeichnung Great Place to Work® erhalten?

Leonie Mul-van Lith: Ich glaube, es gibt verschiedene Gründe, warum wir dieses Jahr zum vierten Mal in Folge die Auszeichnung Great Place to Work® erhalten haben. Zuallererst ist es unsere Mission, die Lebensfreude zu verbessern. Wir glauben, um das zu erreichen, muss unsere eigene Arbeit als Consultant und Trainer inspirierend sein. Das bedeutet, dass wir einen starken Fokus auf unsere Mitarbeiter und deren persönliche Entwicklung legen.

Gibt es etwas, das Sie etabliert haben, um Ihre Mitarbeiter im Alltag zu verwöhnen?

Leonie Mul-van Lith: Ich würde es nicht als Verwöhnen bezeichnen, weil die Art und Weise wie wir arbeiten für uns normal geworden ist. Ich kann aber für alle Mitarbeiter sprechen, wenn ich sage, dass wir sehr dankbar sind für diesen Arbeitgeber und wie er sich um uns kümmert. Ich denke, was unseren Alltag besonders macht, ist die persönliche Aufmerksamkeit. Zum Beispiel ist es jedes Jahr eine Überraschung, wie Geburtstage, besondere Ereignisse und Weihnachten bei LCG gefeiert werden. Wir glauben, dass die ersten Wochen eines neuen Mitarbeiters entscheidend sind, um sich in unserer Organisation zu Hause und willkommen zu fühlen. Aus diesem Grund gibt es einen umfangreichen Onboarding-Prozess bei allen Neueinstellungen. Unser Onboarding-Prozess ist so umfangreich, weil wir glauben, dass man nur eine Chance für den ersten Eindruck hat. Daher fühlen wir uns verantwortlich für eine herzliche Begrüßung und Aufnahme neuer Kollegen. Alles, was man für die Arbeit braucht, wie Laptop, Telefon und weiteres Material, steht dem Mitarbeiter ab dem ersten Tag zur Verfügung, um erfolgreich als neuer LCG-Berater oder -Trainer zu starten.

Wie unterstützen Sie neue Mitarbeiter bei der Einarbeitung?

Leonie Mul-van Lith: Jeder neue Kollege bekommt für das erste Jahr einen sogenannten Buddy. Das ist ein erfahrener LCG-Kollege. Dieser Buddy ist dafür verantwortlich, Einblick in das Tagesgeschäft des Unternehmens zu geben, aber auch ein Eins-zu-eins-Coaching zu leisten, um die persönliche Entwicklung des neuen Kollegen zu unterstützen. Weitere Meilensteine unseres Onboarding-Prozesses sind die Teilnahme an einer Onboarding-Veranstaltung mit unseren Partnern, der Eintritt in Buchclubs zur Diskussion relevanter Literatur und der Besuch der Gemba (Anm. des Interviewers: Gemba ist ein Begriff aus dem Japanischen, der den Ort des tatsächlichen Geschehens bezeichnet – hier also: der Ort, an dem beim Kunden die tatsächliche Wertschöpfung stattfindet.). Außerdem nehmen neue Mitarbeiter an unseren eigenen Lean- bzw. Agile-Schulungen teil.

Wie ist das tägliche Geschäftsleben in der Lean Consultancy Group strukturiert? Haben Sie im Laufe des Jahres Teambuilding-Events?

Leonie Mul-van Lith: Bemerkenswert ist, dass wir als LCG keinen Bürostandort haben. Der Grund dafür ist, dass wir die meiste Zeit damit verbringen als Berater oder Trainer im Kundenbüro Mehrwert zu schaffen. Das verbinden wir mit Homeoffice, und jeden zweiten Freitag kommen wir alle an einem zentralen Ort in den Niederlanden zusammen. Während dieses sogenannten LCG-Tages konzentrieren wir uns auf die Steuerung unserer Organisation und auf die Teambildung. Wir besprechen also unsere organisatorische Leistung und den Fortschritt der Projekte, wir verbringen Zeit mit persönlicher Entwicklung, teilen unsere Erfolge und Fehler und besuchen Workshops zum Lernen und Wachsen. Kameradschaft ist der Schlüssel in unserer Organisation, also beenden wir diese Tage gern bei einem gemeinsamen Drink. In Bezug auf die Hierarchie hat LCG eine flache Struktur. Unsere Art der Zusammenarbeit kann man so charakterisieren, dass wir uns gegenseitig gleichbehandeln und dass jedem Verantwortung übertragen wird. LCG hat drei Partner und zwei Büroangestellte. Die restlichen Mitarbeiter sind alle Berater und Trainer mit ihrer Expertise in Lean Work, agilem Arbeiten und Coaching.

„Zuallererst ist es unsere Mission, die Lebensfreude zu verbessern. Wir glauben, um das zu erreichen, muss unsere Arbeit inspirierend sein.“ Leonie Mul-van Lith, LCG #jobwizards http://bit.ly/2mdgXZh

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Sehen Sie Nachteile bei Ihren Bemühungen, einen „Great Place to Work“ für Ihre Mitarbeiter zu schaffen?

Leonie Mul-van Lith: Nein, die sehen wir nicht, weil wir davon überzeugt sind, dass unsere Mitarbeiter unser wertvollstes Gut sind. Wir müssen uns um sie kümmern und Freude an der Arbeit gewährleisten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir keine Probleme haben, einen „Great Place to Work“ zu schaffen. Als wachsende Organisation erfordert es von uns, ständig aufmerksam darauf zu achten, dass wir einen guten Arbeitsplatz bieten. Es ist sogar eines unserer Jahresziele, ein „Great Place to Work“ zu bleiben. Dieses Thema erfordert unsere volle Aufmerksamkeit, einschließlich der Dialoge mit unseren Mitarbeitern, um ihre Bedürfnisse und Bedenken herauszufinden und um Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Was könnte Sie von diesem Unternehmen zu einem Konkurrenten locken?

Leonie Mul-van Lith: Um ehrlich zu sein, ich kenne wirklich keinen Grund, warum ich LCG in naher Zukunft verlassen sollte.

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