Innovationskraft: Wie sich erfolgreiche Unternehmen für die Zukunft aufstellen (Teil IV)

Neue, innovative Ideen finden, strategisch ausbauen und umsetzen: Wie geht das in der Praxis? Job Wizards stellt aktuelle Maßnahmen, Formate sowie Best-Practice-Beispiele vor und fragt verantwortliche Manager nach ihren Erfahrungen.

Tempo ist Trumpf. Bedingt durch den globalen Wettbewerb und verbesserte Technologien sind Innovationszyklen heute kürzer denn je. Früher hat man die Zeitspannen für Erfindungen und deren Erfolg auf dem Markt und in der Gesellschaft noch in Jahrzehnten gemessen. Heute sind es oft nur noch Monate. Das erfolgreiche und effiziente Managen von Innovationsprozessen ist deshalb für Unternehmen immer wichtiger.

Das Innovationstempo zieht an: Erfinder brechen Patentrekorde

Wie sehr das Geschäft mit Innovationen Fahrt aufgenommen hat, zeigt ein Blick auf die US-Patente. 2017 wurden IBM mehr als 9.000 US-Patente auf den Gebieten künstliche Intelligenz (KI), Cloud und IT-Sicherheit zugesprochen. Seit 1993 hat das Unternehmen damit mehr als 100.000 US-Patente erarbeitet.

„In den letzten 25 Jahren hat IBMs führende Rolle bei der Patenteinreichung die Art und Weise verändert, wie die Welt mit zentralen Errungenschaften der IT umgeht,“ sagt Ginni Rometty, IBM Chairman, President und CEO. „Heute adressieren fast die Hälfte unserer Patente Fortschritte auf Gebieten wie KI, Cloud, IT-Sicherheit, Blockchain und Quantum Computing. Sie zielen alle darauf ab, unseren Kunden dabei zu helfen, kluge Geschäftsentscheidungen zu treffen.“ Beteiligt waren an den Tausenden von Innovationen allein 2017 mehr als 8.500 Forscher, Entwickler, Wissenschaftler und Designer aus 47 Ländern weltweit.

Sportliches Datengeschäft: vom Sportartikelhersteller zur größten Fitness-Plattform der Welt

Aber nicht nur durch clevere Patente, sondern auch durch kluge Strategien lassen sich innovative Erfolge feiern. Wie das funktionieren kann, zeigt der US-Sportartikelhersteller Under Armour. Der Gründer der Firma, Kevin Plank, selbst Sportler, lief stets mit einer App der Firma MapMyFitness. Zusammen mit den App-Gründern baut er nun unter dem Label Under Armour Connected Fitness die größte Connected-Fitness-Plattform der Welt auf. Erst hat Plank mit seiner Marke die Sportkleidung revolutioniert, nun erweitert er das Kerngeschäft innovativ und erfolgreich um das Thema Daten. Auch deshalb zählt Under Armour heute laut Boston Consulting Group zu den fünfzig erfolgreichsten Unternehmen der Welt.

Innovationsstimmung schaffen mit kreativen Formaten

Auch bei Siemens wird Innovation großgeschrieben. Mit Erfolg, denn das Geschäftsjahr 2018 war ein besonders gutes Jahr für Siemens. Insbesondere die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie gelang. Zur Förderung disruptiver Innovationen*, die häufig im Start-up-Umfeld entstehen, hat Siemens zum Beispiel next47 gegründet. Als eigenständige Einheit investiert next47 in vielversprechende Start-ups, fördert deren Kooperationen mit dem Kerngeschäft von Siemens und inkubiert beziehungsweise entwickelt auch eigene neue Ideen.

  • * Innovationen werden als disruptiv bezeichnet, wenn sie bereits bestehende Technologien, Produkte oder Dienstleistungen ersetzen oder ganz vom Markt verdrängen.

Im Unternehmen selbst gibt es spannende kreative Formate, um Mitarbeiter in Innovationsprozesse einzubinden und eine innovative Stimmung zu schaffen. „Anfang 2016 haben wir zum Beispiel den weltweit ersten, hybriden Hackathon** mit rund 1.700 Teilnehmern aus 61 Ländern organisiert“, berichtet Dr. Norbert Lütke-Entrup, Leiter des Innovations-Managements in der zentralen Siemens-Forschung. 700 Teilnehmer kamen an fünf Siemens-Standorten zusammen – von Princeton über Wien bis München. Weitere 1.000 Innovationsbegeisterte beteiligten sich virtuell daran, gemeinsam neue Digitalprojekte für das Siemens-Geschäft zu entwickeln.

  • ** Hackathon ist ein Kunstwort aus ‚Hack‘ und ‚Marathon‘ und meint Events, bei denen gemeinsam neue Soft- und Hardware entwickelt werden.

Ownership Culture und Innovation Funding fördern die Motivation der Mitarbeiter

Innovativ ist auch der offen gestaltete, interne Ideenwettbewerb Quickstarter von Siemens. Das Unternehmen unterstützt dabei kreative Ideen bei jedem Wettbewerb mit 500.000 Euro. „Das Besondere bei Quickstarter ist, dass nicht wie sonst meist üblich das Management entscheidet, welche Projekte Geld erhalten, sondern die Mitarbeiter“, erklärt Dr. Norbert Lütke-Entrup.

Wer eine gute Idee hat, stellt sie auf einer Plattform zur Diskussion und hat dafür etwa vier Wochen Zeit. Im Anschluss entscheiden nicht eine Jury oder das Management über den Erfolg der Idee, sondern Mitarbeiter von Siemens verteilen das Budget. Dazu registrieren sie sich vorab als „Investoren“ auf der Plattform. Quickstarter kommt an. Denn Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt – und kreative Mitarbeiter wollen spüren, dass ihre Ideen gefragt sind, so die Überzeugung des Innovations-Managements bei Siemens.

Erfolgreiche Unternehmen verwalten Informationsflüsse digital und standortübergreifend

Innovationen sind auch gefragt, wenn es ganz praktisch darum geht, im Unternehmen eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die den rasanten digitalen Entwicklungen entspricht. Unternehmen müssen in der Lage sein, Informationsflüsse standortübergreifend und digital zu verwalten. „Wir helfen unseren Kunden, sich auf eine solche Zukunft vorzubereiten”, sagt Olaf Lorenz, ‎General Manager International Marketing Division bei ‎Konica Minolta Business Solutions Europe GmbH.

Für diese vorausschauende Sichtweise auf die Arbeitswelt von Morgen hat Konica Minolta von Keypoint Intelligence, einem führenden unabhängigen Analyseunternehmen für die Digital-Imaging-Branche, den renommierten Preis „Award for Smart Workplace Vision“ verliehen bekommen.

Außerdem überzeugt Konica Minolta durch Kooperationen mit anderen Branchenführern. Der Workplace Hub ist die erste gemeinsame Koproduktion, vereinfacht die IT von KMU und macht sie gleichzeitig sicherer. Entwickelt hat Konica Minolta die Workplace-Hub-Plattform zusammen mit Unternehmen wie zum Beispiel Hewlett Packard Enterprise, Microsoft und Sophos.

Innovationen erfolgreich managen und Mitarbeiter zukunftsorientiert entwickeln

Ähnlich wie bei Siemens und anderen großen Konzernen wurde auch bei Konica Minolta eine Intrapreneurship-Initiative ins Leben gerufen. Bereits seit 2015 kommen im Rahmen des Technology-Innovation-Programmes, kurz TIP, jedes Jahr mehr als 50 Kolleginnen und Kollegen aus zwölf europäischen Ländern zusammen.

Innerhalb von sechs Monaten arbeiten die Teams hauptsächlich virtuell an grob definierten Zukunftsthemen und wenden agile Arbeitsmethoden an. „Erst im Austausch mit anderen Unternehmen wurde uns bewusst, dass es wirklich etwas Besonderes ist, dass unser Programm von unserer HR aufgesetzt wurde und mit starkem Fokus auf die Entwicklung und Motivation unserer Mitarbeiter geleitet wird“, sagt Juliane Frenzel, Senior Manager HR bei Konica Minolta Europa. TIP-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sind jedes Jahr aufs Neue inspiriert und begeistert.

Unabhängig vom Daily Business entstehen neue Projekte und Ideen

Stefan Stürmer ist Senior Experte für Marketing Communications Digital bei Konica Minolta Europa und hat am TIP 2016 teilgenommen. Zunächst wurden beim Kick-off verschiedene Themen eingereicht, die dann von internationalen Teams bearbeitet und weiterentwickelt wurden. „Ich kam relativ spontan dazu. Unser Team bestand aus acht Leuten und war international besetzt mit Kollegen aus England, Frankreich und Deutschland. Wir haben uns dann einem Projekt aus dem Marketing gewidmet, das im Bereich des Kundenmanagements anzusiedeln ist“, erzählt Stefan Stürmer.

Das Team diskutierte und untersuchte, wie Unternehmen Kunden behalten, binden und im richtigen Moment ansprechen können. Es hat Kundenbeziehungsprozesse systematisiert und schließlich versucht, Kundenentscheidungen vorherzusagen. „Dazu haben wir im Team verschiedene Theorien diskutiert und Customer-Relationship-Management-Systeme (CRM-Systeme) studiert, die Daten sammeln, indem sie zum Beispiel jede Kundenaktivität tracken“, so Stefan Stürmer.

Schließlich ist es dem Team gelungen, ein Tool zu entwickeln, mit dem Unternehmen alle verfügbaren Kundeninformationen in ein selbstlernendes System überführen können. Das Tool sagt Kundenabwanderungen voraus und gibt Hinweise, um im rechten Moment aktiv zu werden. Das TIP-Projekt „Predictive Analytics for Business Insights: Forecast of customer churn“ ist nun in einem internationalen Research & Development Topic aufgegangen und wird unternehmensintern finanziert und vorangetrieben. Und das macht Sinn. Denn welches Unternehmen möchte nicht gern vorhersagen können, wie sich das eigene Umsatzpotenzial steigern lässt?

Dieser Artikel ist der vierte und letzte Teil einer Reihe zum Thema Innovation. Hier geht’s zu den Teilen I bis III.

Innovationsfaktoren in Erfolgsfaktoren umwandeln (Teil I)
Innovationsfaktoren in Erfolgsfaktoren umwandeln (Teil I)
Innovation: Großartige Ideen brauchen einen Ort, an dem sie entwickelt werden und wachsen können (Teil II)
Innovation: Großartige Ideen brauchen einen Ort, an dem sie entwickelt werden und wachsen können (Teil II)
Innovation im internationalen Vergleich: welche Länder erfolgreich sind (Teil III)
Innovation im internationalen Vergleich: welche Länder erfolgreich sind (Teil III)
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