Innovation: Großartige Ideen brauchen einen Ort, an dem sie entwickelt werden und wachsen können (Teil II)

Es gibt kaum ein Unternehmen, das gegenüber seinen Stakeholdern – Kunden, Investoren und potenziellen neuen Mitarbeitern – nicht betonen würde, wie innovationsstark es ist. Doch bei der Frage, wie diese entscheidende Unternehmensfunktion bei ihnen organisiert ist, können viele nicht auf ein klares Konzept verweisen. Ivan Malchev, Experte für Ideenfindungsprozesse bei Konica Minolta, erläutert, wie man die Entwicklung guter Ideen fördert, wie man sie optimiert und wie eine Innovationskultur entsteht, die von geeigneten Technologien unterstützt wird.

Portrait

Ivan Malchev

Ivan Malchev, Business Incubation Manager für neue Technologien bei Konica Minolta.

Ivan Malchev ist Experte für Ideenfindungs- und Innovationsprozesse im Konica Minolta Business Innovation Centre und arbeitet in Sofia, Bulgarien. Bevor er im März 2014 seine aktuelle Position übernahm, gehörte er zum weltweiten Innovationsteam des Hewlett-Packard-Konzerns. Bei Konica Minolta ist er nun verantwortlich für die Entwicklung innovativer neuer Produkte und Services, die zukünftig ins Unternehmensportfolio aufgenommen werden.

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Herr Malchev, Sie haben in den vergangenen Jahren an Lösungen für eine effiziente Organisation von Ideenfindungsprozessen gearbeitet. Warum ist es so wichtig, Ideen zu organisieren? Geschieht dies nicht von allein?

Ivan Malchev: Die Ideenfindung ist für Unternehmen die Grundlage, um innovativ sein zu können, und Innovation ist der Katalysator für die zukünftige Geschäftsentwicklung. Deshalb wird sie auch von allen Unternehmen als oberste Priorität genannt. In vielen Fällen bleibt die Frage nach einem strukturierten und unterstützten Prozess jedoch unbeantwortet. Es ist unbestritten, dass Wissen, Talent und Ideen in jedem Unternehmen vorhanden sind. Doch die Ideen werden häufig übersehen, finden nicht genügend Beachtung oder gehen im Tagesgeschäft unter, weil ihre Urheber keine Gelegenheit oder nicht die geeigneten Mittel haben, die richtigen Adressaten zu erreichen. Aus diesem Grund ist es tatsächlich wichtig, die richtigen Bedingungen zu schaffen und die Entwicklung einer entsprechenden Unternehmenskultur zu ermöglichen, um diese Ideen zu erkennen und von ihnen zu profitieren. Darum benötigen wir eine organisatorische Plattform, die eine ganzheitliche Ideenfindungs- und Innovationskultur innerhalb des Unternehmens unterstützt.

Kann die Ideenfindung in einem gesonderten Silo oder als separate Funktion stattfinden, die ausschließlich von einem kleinen Team innerhalb des Unternehmens übernommen wird?

Ivan Malchev: Nein. Meiner Erfahrung nach erhält man die besten Ergebnisse, wenn jeder im Unternehmen intuitiv seinen individuellen Beitrag leistet, indem er seine speziellen Erkenntnisse, sein persönliches Wissen und seine eigene Sichtweise einbringt. Außerdem kann es sich als entscheidender Schritt für den Erfolg der Ideenfindung erweisen, den Teilnehmerkreis über das eigene Unternehmen hinaus auszudehnen: Sie sollten darüber nachdenken, Branchenexperten, Kunden, Lieferanten oder Industriepartnern hinzuzuziehen. Einen Blick von außen einzubeziehen, kann oft zu überraschenden Ergebnissen führen. Sie sehen: Es gibt eine Menge zu bedenken, wenn Sie die Innovationskraft Ihres Unternehmens stärken wollen.

“Geld inspiriert nicht zu neuen Ideen“

Ivan Malchev

Anders ausgedrückt: Eine erfolgreiche Ideenfindung braucht Steuerung und Führung. Wie kann dies gelingen? Was ist dafür nötig?

Ivan Malchev: Eine erfolgreiche Ideenfindung beginnt mit Anreizen, die dazu beitragen, dass die Teilnehmer mitmachen und auch dabeibleiben. Wohlgemerkt: Damit meine ich keine finanziellen Anreize; unserer Erfahrung nach wirken sich diese bestenfalls kurzfristig aus, und das auch nur begrenzt. Wertschätzung und Anerkennung (idealerweise durch leitende Stakeholder) sind bedeutend besser dazu geeignet, eine wirklich innovationsfreundliche Unternehmenskultur zu schaffen und bei den Beteiligten langfristiges Engagement zu fördern. Was den Ideenfindungsprozess selbst betrifft, ist es sehr hilfreich, klare Rahmenbedingungen zu schaffen.

Braucht es für eine erfolgreiche Ideenfindung eine Grundvoraussetzung?

Ivan Malchev: Ja, die Grundvoraussetzung ist, dass man Gruppen – oder „Zirkel“ – zur Bearbeitung eines spezifischen Problems, einer Aufgabe oder einer Herausforderung bildet, die gewünschten Ergebnisse definiert, den Zeitrahmen absteckt und um Unterstützung seitens der Geschäftsführung wirbt, um die Wichtigkeit des Themas zu betonen. Dies führt dazu, dass eine „Ideenfindungskampagne“ ins Leben gerufen wird. Wenn dann die Interaktion innerhalb dieser Gruppe Fahrt aufgenommen hat und die Ideen sich zu entwickeln beginnen, wird der Prozess zu etwas Selbstverständlichem. Unter Umständen kann dieser Prozess natürlich auch so kompliziert werden, dass er moderiert werden muss, und es kann sich zu einer echten Herausforderung entwickeln, alle Entwicklungen im Blick zu behalten, die online und in der persönlichen Interaktion stattfinden.

Gibt es eine einfache Lösung, wenn es darum geht, Innovationsprozesse zu unterstützen?

Ivan Malchev: Im Konica Minolta Business Innovation Centre haben wir nach einer einfachen und leicht zu pflegenden Lösung gesucht, die uns bei unserem Innovationsprozess unterstützt. Da wir auf dem Markt keine gefunden haben, die unsere Anforderungen erfüllt hat, haben wir unsere eigene Technologieplattform entwickelt. Dieses Konzept hat sich dann als so effektiv und praktisch erwiesen, dass wir uns entschieden haben, es auch für unsere Kunden zu öffnen.

Wie sieht Ihre Lösung aus? Wie unterscheidet sie sich von anderen Lösungen?

Ivan Malchev: Mit unserer Plattform verbinden wir Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufsbildern, von verschiedenen Unternehmensstandorten – und darüber hinaus – sowie mit unterschiedlichen kulturellen und beruflichen Hintergründen. So entstehen Gruppen, in denen Ideen gemeinsam entwickelt werden. Mit unserer Ideation Platform möchten wir unsere Kunden dabei unterstützen, ihr Innovationspotenzial bestmöglich zu nutzen – schließlich geht es bei Innovation um die Bündelung der Kräfte vieler. Deshalb ist unsere Plattform ganz einfach zu bedienen und wartet sich selbst, ohne IT-Ressourcen zu verbrauchen. Sie eignet sich für Unternehmen jeder Größe, egal ob KMU oder Weltkonzern. Doch unsere Unterstützung beschränkt sich nicht auf diese Lösung selbst, sondern umfasst auch Beratung und Anleitung unsererseits, damit sie sich ganz auf den Prozess der Ideenentwicklung konzentrieren und ihn beschleunigen können. Wir teilen unsere Erfahrungen und unser Best-Practice-Fachwissen mit Ihnen. Wie lässt sich eine Ideenfindungskampagne am besten aufsetzen? Wer sollte daran beteiligt sein? Wer unterstützt Sie? Warum ist es wichtig, einen Zeitrahmen für die Kampagne festzulegen – und welcher zeitliche Umfang wäre zum Beispiel denkbar?

screenshot ideation platform

screenshot ideation platform

Sie sagten eben, bei Innovation gehe es um die Bündelung der Kräfte vieler – heißt das, dass die Lösung relativ offen sein muss?

Ivan Malchev: Ja, unsere Lösung ist so offen, wie unsere Kunden es wünschen. Wir bieten sogar an, die Ideation Platform zum Beispiel an Ihr eigenes Design anzupassen und es in Ihr E-Mail-System zu integrieren. In puncto Sicherheit ist unsere Lösung kompromisslos, auch wenn es um den Datenschutz geht; standardmäßig ist die cloudbasiert, wobei alle Daten auf Servern in Deutschland gespeichert werden, wo die strengsten Sicherheits- und Datenschutzgesetze Europas gelten. Gleichzeitig garantieren wir die Einhaltung der DSGVO. Und falls erforderlich können wir sogar eine Lösung umsetzen, die vollständig vor Ort beim Kunden betrieben wird.

Und zum Schluss: Lohnt sich ein Ideenfindungsmanagement wirklich? Wann sind es Ideen wirklich wert, weiterverfolgt zu werden?

Ivan Malchev: Ideenfindung ist nie einfach. Grob geschätzt schaffen es nur 5–10 Prozent der Ideen bis in die eigentliche Projektphase. Das hängt wirklich von der jeweiligen Herausforderung bzw. dem jeweiligen Projekt ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass Ideen, die bereits mit einer ungefähren Vorstellung von der praktischen Umsetzung daherkommen, eine solide Grundlage darstellen. Erfolgversprechende Ideen müssen außerdem Anklang bei den entsprechenden Fachleuten der Gruppe in dem Bereich finden, in dem sie umgesetzt werden sollen, und sie müssen zur allgemeinen Unternehmensstrategie passen.

Was ist dabei der wichtigste Aspekt?

Ivan Malchev: Das Wichtigste ist, dass die Idee einen insgesamt positiven Effekt hat und aus Kundensicht wirklich Sinn macht. Entscheidend ist, dass man sich in die Lage des Kunden versetzt und darüber nachdenkt, ob die Idee eine Lösung für ein Problem oder eine Aufgabe bietet. Wenn all dies zutrifft, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Idee, die es sich weiterzuverfolgen lohnt. Ich kann nur sagen: Solche Ideen zu managen, sie zu fördern, mit Leben zu füllen – zugunsten Ihres Unternehmens und letztlich sogar des allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritts –, ist eine absolut bereichernde Erfahrung.

Über Innovation zu reden ist leicht, aber es im Unternehmen umzusetzen, erfordert ein eigenes Ideation Management! #jobwizards http://bit.ly/2xdGOoX

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Dieser Artikel ist der zweite Teil einer vierteiligen Reihe zum Thema Innovation.

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