In Sachen Digitalisierung gewinnen die richtige Technik und Kompetenz

Digitale Kompetenz – schrittweise besser werden. (Teil 3 von 3)

Die Arbeitswelt der Zukunft braucht hochspezialisierte Mitarbeiter und Manager, die sich aktiv und kreativ an der Gestaltung der digitalen Arbeitsprozesse von morgen beteiligen – mit Ideen und Problemlösungen für eine Welt, die zunehmend komplexer wird. Finden Sie heraus, was höchste digitale Kompetenz auszeichnet.

Digitale Kompetenz – schrittweise besser werden. (Teil 1 von 3)
Beginnen Sie die Artikelserie mit Teil 1: Digitale Kompetenz – schrittweise besser werden. (Teil 1 von 3)
Digitale Kompetenz – schrittweise besser werden.  (Teil 2 von 3)
Verpassen Sie auch nicht Teil 2 der Serie: Digitale Kompetenz – schrittweise besser werden. (Teil 2 von 3)

Wenn es Leute gibt, die im „digitalen Ozean“ die besten Start-Positionen haben, die oben auf den Wellen surfen, die zu den Gewinnern der digitalen Revolution gehören, so kann man sie zweifelsohne im Silicon Valley in den USA antreffen. Mitarbeiter und Manager von Schwergewichten wie Google, Amazon, Facebook oder Apple – um nur einige zu nennen – machen dieses nach wie vor zu dem bedeutendsten Standort der IT- und Hightech-Industrie weltweit. Die Expertendichte und die Ansammlung digitaler Kompetenz dürften entsprechend sein. Doch auch Erfolgsgeschichten aus Asien wie die des chinesischen Unternehmers Jack Ma (Alibaba Group) oder bahnbrechende Beispiele aus Europa wie die Entwicklung und der Verkauf des Videodienstes Skype zeigen: Kreative Spezialisten und erfolgreiche digitale Vordenker gibt es rund um den Globus. Die Digitalisierung der Industrie ist ein globales Phänomen mit unterschiedlichen Facetten – zu diesem Ergebnis kommt eine Publikation der Plattform Industrie 4.0 mit dem Titel „The digitalisation of industry as a global phenomenon“.

Digital Fortgeschrittene: vom Lernen und Verstehen hin zum Anwenden und Bewerten

Was zeichnet digitale Spezialisten und Vordenker aus? Woran merkt man selbst, ob man zu den fortgeschrittenen oder hochspezialisierten Experten gehört? Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hat ein aktuelles Rahmenkonzept zur digitalen Kompetenz entwickelt (DigComp 2.1), das bereits in den Blogteilen 1 und 2 vorgestellt wurde. Es umfasst fünf verschiedene Kompetenzbereiche und vier verschiedene Kenntnislevel mit je zwei Ausprägungen – vom Fundament über das mittlere Level bis zum fortgeschrittenen und zum hochspezialisierten Level digitaler Kompetenz. Während es bis zum mittleren Level vor allem darum geht, einfache und klar definierte Tätigkeiten, Aufgaben und Probleme unter Anleitung zu lernen, zu bewältigen und zu verstehen, kommen mit dem fortgeschrittenen Level neue Qualitäten dazu.

Ob in sozialen Netzwerken, Lieferdiensten oder Technologie-Konzernen – digital Fortgeschrittene zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Digital Fortgeschrittene arbeiten digital bzw. wenden digitale Techniken an (Applying).
  • Digital Fortgeschrittene können Anwendungen und Techniken sach- und fachgerecht einsetzen und bewerten (Evaluating).
  • Digital Fortgeschrittene leiten andere Menschen an – ob Mitarbeiter, Kunden oder User.
Industrie 4.0: Die Digitalisierung der Industrie ist ein globales Phänomen

Industrie 4.0: Die Digitalisierung der Industrie ist ein globales Phänomen

USA, Asien, Europa: Die digitale Expertise der Hochspezialisierten wächst

Und dann gibt es nach dem DigComp-2.1-Rahmenkonzept noch die digital Hochspezialisierten, die sich dadurch auszeichnen, dass sie neue Technologien oder Anwendungen schaffen (Creating) und damit komplexe Probleme mit vielen verschiedenen, interagierenden Faktoren lösen. Auch innovative Beispiele für hochspezialisierte digitale Kompetenz findet man rund um den Globus: in Amerika ebenso wie in Indien, China, Japan oder Südkorea, und natürlich auch in Europa. Der Däne Janus Friis zum Beispiel – im Jahr 2006 vom Time Magazine in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen – hat zusammen mit dem estnischen Programmierer und Unternehmer Ahti Heinla Skype erfunden, 2003 auf den Markt gebracht und mit der kostenlosen Internet- und Videotelefonie die Kommunikation weltweit revolutioniert. Heute gehört Skype – millionenfach genutzt – zu Microsoft; Skype-Videokonferenzen mit Dateiübertragung und bis zu 25 Gesprächsteilnehmern sind in vielen Unternehmen Teil des Geschäftsalltags geworden.

Hochspezialisiert und innovativ: Digitale Kreativität kennt keine Grenzen

Skype-Gründer Ahti Heinla zögert denn auch nicht, sein digitales Know-how für gute Zwecke einzusetzen. Zusammen mit seinem Landsmann, dem estländischen Unternehmer Rainer Nõlvak, sowie vielen anderen Helfern und Experten startete er im Jahr 2008 die Initiative „Let’s do it“. Ziel war damals, den überall in Estland illegal entsorgten Müll zu sammeln – zunächst hatte sich das Team dazu einen Fünf-Jahres-Zeitraum als Frist gesetzt. Doch dann kam die ehrgeizige Idee auf, das ganze Projekt mit Zehntausenden von ehrenamtlichen Helfern an nur einem Tag durchzuführen. Aber wie?

Das Team konnte zunächst die Regierung sowie andere Institutionen und Organisationen zum Unterstützen der Aktion bewegen, und Ahti Heinla entwickelte eine geniale IT-Lösung für das Problem. Er kombinierte die Software von Google Earth mit anderen Freeware-Programmen und schuf daraus eine App für Mobiltelefone. Mit ein paar Klicks konnte nun jeder, der illegalen Müll entdeckte, diesen fotografieren und die betreffende Position ins Internet hochladen. Stück für Stück entstanden so eine landesweite Müllkarte und ein Masterplan für den estnischen Aktionstag am 3. Mai 2008, der ein riesiger Erfolg wurde. Unter normalen Umständen hätte die Regierung etwa drei Jahre und 22,5 Millionen Dollar gebraucht, um die etwa 10 000 Tonnen illegal entsorgten Mülls aufzuräumen. Dank der Kampagne brauchten etwa 50 000 Freiwillige für das Projekt fünf Stunden, und auch die Kosten waren mit 500 000 Euro deutlich niedriger. Heute gibt es unter dem Kampagnen-Dach von „Let’s do it“ eine beeindruckende Müll-Weltkarte, und mehr als 16 Millionen Menschen aus 113 Ländern sind bereits aktiv geworden. Die nächste große Aktion ist für den 15. September 2018 geplant – ein „World Cleanup Day“, an dem sich weltweit 150 Länder beteiligen werden.

Hochspezialisierte digitale Kompetenz und Kreativität kennt keine Grenzen. #jobwizards http://bit.ly/2A4azJb

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Innovation im Bereich Logistik: clevere kleine Liefer-Roboter

Kreative Köpfe ruhen nie, produzieren fortwährend neue Ideen, sind mit ihren Projekten innovativ und zukunftsorientiert – auch das zeigt das Beispiel der beiden Skype-Gründer Ahti Heinla und Janus Friis eindrucksvoll, denn gerade bringen sie die nächste große Sache ins Rollen: Mit ihrem im Jahr 2014 gegründeten Unternehmen „Starship Technologies“ entwickeln sie clevere kleine Liefer-Roboter, die in europäischen Städten wie London, Hamburg oder Bern bereits „lernen“, zuverlässig Pizza, Medikamente, Bücher oder andere Waren auszuliefern. Laut Wired zählt das britisch-estnische Start-up zu den Top-Ten-Unternehmen in Großbritannien, die in 2017 den größten Hype ausgelöst und die meisten Investitionen eingefahren haben.

Noch ist die digital vernetzte Lieferung per Miniroboter im Entwicklungsstadium und vergleichsweise aufwändig und umständlich. Gesetzliche Fragen in Bezug auf autonom betriebene Fahrzeuge werden zu klären sein, aber das Interesse an den Robotern in der Logistik-Branche ist groß und der Online-Lieferhandel wächst weltweit unermüdlich. Ob die rollenden Zustellautomaten eine Zukunft haben? In einem, in drei oder in fünf Jahren werden wir alle schlauer sein – und auf jeden Fall digital kompetenter.

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