Handwerk, Crowd Work, Jobvermittlung

Crowdwork – funktioniert die Gig Economy in Europa?

Angemeldet bei Uber, MyHammer oder Upwork: Wie geht es den Menschen, die schon heute Arbeit über Online-Plattformen suchen und annehmen? Die Ergebnisse einer europaweiten Studie geben Einblicke in die Crowdworking-Landschaft.

Wissen Sie genau, was „Crowdwork“ oder „Plattformökonomie“ ist? Gemeint ist damit die unbürokratische, digitale Arbeitsvermittlung über Plattformen im Internet. Vermittelt werden digitale Kurzzeit-Jobs und analoge Dienstleistungen wie zum Beispiel über Uber (Taxidienste/Personen-beförderung), MyHammer (Onlinemarktplatz für Handwerker) oder Upwork (Freelancer im Bereich IT und Kreativjobs). „Collaborative Economy“ oder „Gig Economy“ sind andere Begriffe für das Arbeitsmarkt-Phänomen, das weltweit in verschiedenen Branchen boomt. Die Plattform Freelancer.com vermittelt nach eigenen Angaben über 26 Millionen Freiberufler bzw. Jobsuchende aus über 247 Ländern und Regionen der Erde. Die Plattform Upwork spricht ebenfalls von Millionen vermittelter Jobs jährlich, mehr als 1 Milliarde Dollar soll die Gesamtheit der Crowdworker dort pro Jahr verdienen. Neben den großen, international agierenden Plattformen gibt es viele verschiedene regionale Plattformen und Dienstleistungen, deren Anzahl mittlerweile schier unüberschaubar geworden ist. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, das neue, unkomplizierte Arbeitsmodell für die digitale Zukunft sei bereits gefunden worden. Wirklich?

Faktencheck: Wie sieht die Crowdwork-Szene in Europa aus?

Wie sich die Plattformökonomie bei genauerer Betrachtung darstellt, dieser Frage ging die gemeinsame Studie „Crowd Work in Europe“ der Foundation for European Progressive Studies (FEPS) und von UNI Europa nach. Durchgeführt wurde die plattformunabhängige Untersuchung von der University of Hertfordshire und Ipsos MORI. Was sagen die ersten vorläufigen Ergebnisse und Statistiken aus UK (Vereinigtes Königreich), Schweden, Deutschland, Österreich und den Niederlanden aus? Unterteilt nach den Crowdwork-Bereichen Fahrdienste (z. B. Plattformen wie Uber oder Blablacar), Jobs außerhalb der eigenen vier Wände (z. B. Plattformen wie Handy, TaskRabbit oder MyBuilder) und Jobs, die von zuhause aus erledigt werden können, (z. B. Plattformen wie Upwork, Freelancer.com, Time etc, Clickworker, PeoplePerHour) ergab sich folgendes Bild (siehe Grafik): Während im Vereinigten Königreich und in Deutschland 19 % aller Befragten angaben, dass sie bereits über Onlineplattformen versucht haben, Jobs zu finden, die sich von zuhause aus erledigen lassen, waren es in den Niederlanden 16 %, in Schweden 22 % und in Österreich 34 %. Im Durchschnitt jede(r) Fünfte der Befragten (22 %) hat also bereits Erfahrungen im Crowdworking gesammelt. Im Durchschnitt niedriger fielen die Umfrageergebnisse für die Bereiche Fahrdienste (10,6 %) und Jobs außerhalb der eigenen vier Wände (14,2 %) aus. Ähnliche Zahlen liefern Studien aus den USA. Business News Daily berichtet von der Entwicklung der Gig Economy und verzeichnet zwischen 2005 und 2015 einen Anstieg von 10.1 % auf 15,8 %.

Interesse an Crowd Work in Europa

Freelancer auf dem europäischen Arbeitsmarkt: Wer sucht welche Crowdwork-Jobs?

Freelancer auf dem internationalen Arbeitsmarkt – ein Blick hinter die Kulissen

Fest steht: Das Interesse an Crowdwork und den vermittelnden Plattformen ist steigend. Bedenkenswert ist allerdings das Fazit der Studie, mit dem die „Crowd Work in Europe“-Autoren die Ergebnisse interpretieren. So heißt es dort: Zum einen war der Großteil der zum Thema Crowdwork Befragten in verschiedenen Bereichen und Jobs aktiv, statt sich auf eine bestimmte Arbeit zu spezialisieren. Zum anderen suchte der Großteil der Befragten gleichzeitig aktiv nach geregelter Arbeit. Diese beiden Tatsachen legen nahe, dass das Aktivsein in der Crowd eher aus der Not heraus entsteht, irgendeine Art von Einkommen generieren zu müssen, als dass die Crowdwork-Plattformen von den Jobsuchenden als eine Karrierechance für die Zukunft wahrgenommen werden. Neben dieser ernüchternden Bilanz gibt es weitere offene Fragen und Kritikpunkte: Wie wird eine faire Bezahlung gewährleistet? Gibt es finanzielle Sicherheit und Einkommensstabilität für Crowdworker? Wie steht es um ihre Sozialversicherung? Sind Crowdworker steuerpflichtig? Wie wirkt sich die 24-h-Erreichbarkeit auf die Gesundheit aus? Gibt es so etwas wie Mitbestimmung?

Crowdwork intern: ein Blick hinter die Kulissen der globalen Gig Economy. #jobwizards http://bit.ly/2BvUKfK

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Hat Crowdwork eine tragfähige Zukunft? Entscheiden Sie selbst!

Ist die globale Gig Economy also ein tragfähiges Arbeitsmarktmodell für die Zukunft? Würden Sie Ihrer Tochter, Ihrem Sohn, Ihren Lieblingskollegen oder Auszubildenden zuraten, eine Karriere als Crowdworker zu starten? Die Antwort ist sicher schwierig. Solange die oben genannten zentralen arbeitsrechtlichen Fragen und Probleme nicht intensiver diskutiert und gelöst werden, bleibt die Gig Economy ein gigantisches globales Arbeitsmarkt-Experiment und ein weiteres Feld, in dem arbeitsmarktpolitische Zukunft aktiv gestaltet werden muss. Einen ersten Ansatz dazu bietet die internationale gewerkschaftsnahe Plattform Faircrowd.work, die alle wichtigen Crowdwork-Basics erklärt, die digitale Arbeitnehmer und Arbeitgeber kennen sollten, um in Zukunft gut und nachhaltig zusammenarbeiten zu können.

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