Airbus verstärkt sein Ökosystem mithilfe digitaler Technologie

„Im Mittelpunkt unserer Strategie steht die Digitalisierung. Und diese Entwicklung zieht sich durch alle Bereiche des Unternehmens – von den Konstruktionsbüros, der Fertigung und den Produkten bis hin zu Kundensupport und Instandhaltung“, resümierte Guillaume Faury, President von Airbus Commercial Aircraft, bei einer Diskussionsrunde im Rahmen der Luftfahrtkonferenz Paris Air Forum am 21. Juni 2018.

Diese Entwicklung ist unerlässlich, um den größten Herausforderungen im Luftverkehr in den kommenden 20 Jahren gewachsen zu sein, d. h. weiteres Wachstum (4,1 Mrd. Passagiere im Jahr 2018, 7,8 Mrd. 2036) und kürzere Lebenserwartung der Flugzeuge (31 Jahre 2012, 26 Jahre 2017). Airbus hat daher die Maßnahmen zur Beschleunigung seiner digitalen Transformation erweitert.

Infografik Passagierentwicklung

Infografik Passagierentwicklung unter drei verschiedenen Szenarios

Der Kunde an erster Stelle

Aktuell nutzt Airbus Einstein, die künstliche Intelligenz von Salesforce, um sich ein besseres Verständnis über die Kunden, sprich die Fluggesellschaften, zu verschaffen. Diese Lösung stützt sich vor allem auf die Analyse des früheren Kundenverhaltens (z. B. Kaufhistorie oder Verlauf der Interaktionen mit dem Kundendienst), um Voraussagen und Empfehlungen zur Optimierung des UX-Designs zu entwickeln.

Der Luftfahrfahrtkonzern hat (mit dem Programm Coconut) auch seine digitale Kommunikation rund um eine einheitliche Plattform zur Verwaltung und Veröffentlichung der verschiedenen Inhalte für seine Kunden umgestaltet. Dazu kommen der Einsatz von Business-Intelligence- und E-Marketing-Modulen, Vernetzung mit den internen Kommunikationsträgern und die Einrichtung einer Governance für die Plattform.

Vom Konstruktionsbüro bis zum Testflug

Für die Integration digitaler Modelle in die Produktionsumgebung wird größtenteils Virtual Reality genutzt. Das ermöglicht die Zusammensetzung von 3D-Prototypen. Für bestimmte Bauteile wurde so die Testzeit von drei Wochen auf drei Tage verkürzt.

Im Rahmen seiner Telemetrieanwendungen und Managementprozesse für Testflüge hat Airbus auch eine digitale Plattform eingerichtet, die es den Konstruktionsingenieuren und anderen wichtigen Teams ermöglicht, mithilfe eines einfachen Webbrowsers von serverbasierten Umgebungen aus auf Testdaten zuzugreifen. Das versetzt sie in die Lage, praktisch sofort aus der Ferne zu reagieren, wodurch die Zyklen für die Testflüge verkürzt werden. Zudem wird auch den Herstellern bestimmter Flugzeugteile der direkte Zugriff auf die Testdaten ihrer betreffenden Komponenten gewährt. So können sie unverzüglich reagieren und mögliche Probleme schnell beheben.

Im Cockpit

Seinen Kunden (den Fluggesellschaften) bietet Airbus einen elektronischen Cockpit-Organiser. Damit ist es nun nicht mehr erforderlich, die Bordunterlagen auf Papier auszudrucken und mitzunehmen. Die Piloten haben im Flugzeug jederzeit Zugriff auf das Gerät und können Leistungsdaten, elektronische Handbücher, Wetterdaten, Navigations- und Flughafenkarten aufrufen. „Diese Lösung ermöglicht den Piloten mehr Effizienz und erleichtert ihnen ganz einfach den Arbeitsalltag“, sagt Didier Lux, Executive Vice President von Airbus Customer Service.

In der Werkstatt: Instandhaltung und Vorhersagemodelle

„Daten sind der Treibstoff für die digitale Transformation”, so Marc Fontaine, Chief Digital Officer von Airbus. Ein Aspekt, der vielleicht noch wichtiger ist, wenn es um die Instandhaltung geht, einer der zentralen Punkte sowohl für die Flugsicherheit als auch das Geschäftsmodell der Fluggesellschaften. Insbesondere hat der Konzern im Rahmen der Entwicklung des A350 einen sogenannten Data Lake sowie ein Datenerfassungssystem für die Flugzeuginstandhaltung eingerichtet. Dadurch konnte die Zahl der pro Flug überwachten Parameter von 400 auf 24.000 erhöht werden! Diese Maßnahmen sind Teil des Programms Skywise, das 2017 gestartet wurde, um den Datenaustausch zwischen allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette des Ökosystems von Airbus, Fluggesellschaften eingeschlossen, zu ermöglichen und so die Vorteile der digitalen Technologie zu verbreiten – angefangen mit der Einführung von vorausschauender Instandhaltung.

Umstrukturierung der Lieferkette

In der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsbranche werden 70 % bis 80 % der Wertschöpfung von der Lieferkette generiert. Airbus verwaltet mehr als 15.000 Lieferanten in rund 100 Ländern, was ein jährliches Verkaufsvolumen von 49 Mrd. Euro (in 2017) und Hunderttausende von Arbeitsplätzen bei den Zulieferern des Konzerns ausmacht. Die Lieferkette ist komplex, da Airbus an zahlreichen Standorten (insgesamt etwa 100) tätig ist. „Airbus strebt nach stärkerer Vernetzung, damit wir das Lieferantenmanagement von der Auswertung bis zur Auswahl über die Zusammenarbeit und Vertragsaufsetzung optimieren und gleichzeitig Risiken reduzieren können”, sagt Klaus Richter, Einkaufschef bei Airbus.

Eine der aktuellen Herausforderungen besteht in der Stabilisierung der Lieferkette und der Gewährleistung ihrer Leistungsfähigkeit. Mit den GPS-Koordinaten der Verpackungen können Flugzeughersteller Ersatzteile, die durch die verschiedenen internationalen Lagerhäuser des Konzerns gehen, in Echtzeit lokalisieren. Die Sensoren können auch dazu genutzt werden, Temperaturen, Stöße oder Vibrationen, denen die Packstücke ausgesetzt sind, zu überwachen.

Ein Ökosystem aus arbeitsplatzschaffenden Lieferanten

Die Luft- und Raumfahrtindustrie stellt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in zwei französischen Regionen (Nouvelle-Aquitaine und Occitanie) dar, in denen Airbus eine starke Präsenz hat: Der Konzern bringt hier 1.900 Unternehmen zusammen, die meisten von ihnen KMUs, die 146.000 Leute beschäftigen (Zahl von 2016). Das macht in beiden Regionen 6 % der Beschäftigung im kaufmännischen und bis zu 20 % der Beschäftigung im Industriebereich aus.

Wie sich die Digitalisierung zur Prozessoptimierung nutzen lässt, zeigt der Erfahrungsbericht von #Airbus. Einfache Methoden sorgen für mehr Effizienz und sind auf viele Unternehmen übertragbar. #jobwizards http://bit.ly/2RXjiWo

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Eine gesicherte kooperative Infrastruktur

Der gleiche Wille ist auch im Bereich Infrastruktur zu finden. Eine Private Cloud sichert die Umsetzung neuer IT-Plattformen zur Unterstützung der Transformationsprojekte, insbesondere der Anwendungen, die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten verbinden. Zu ihnen gehören das Verwaltungsmanagement, CRM, Vertrieb und e-Business sowie die Tools für Zusammenarbeit und CAD/CAM.

Zusammenarbeit ist Teil der DNA des Unternehmens. Seit 2008 hat sich Airbus mit Dassault Aviation, EADS, Safran und Thales zusammengeschlossen zu BoostAeroSpace, das 2011 zum Joint Venture wurde. Ziel dieses Gemeinschaftsunternehmen ist die Schaffung eines gemeinsamen Portals, das den Austausch standardisierter Geschäftsprozesse für alle Partner in dem erweiterten Unternehmen ermöglicht. Mit anderen Worten: Mit dieser digitalen Drehscheibe der europäischen Luft- und Raumfahrt soll eine Cloud für diesen Sektor geschaffen werden, „um die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der europäischen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie zu steigern“. In der Praxis geht es darum, Industrieunternehmen aller Größen, darunter auch KMUs, eine sichere Plattform für Austausch und Kooperation zu bieten.

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